Obwohl der Zweite Weltkrieg vor 65 Jahren endete, hören Historiker und Journalisten nicht auf, sich mit ihm zu beschäftigen; es scheint sogar, paradoxerweise, als werde der Blick auf das, was geschah, mit zunehmendem Abstand immer schärfer. Wohl den genauesten Blick auf die Schlachtfelder Europas hat der Brite Antony Beevor, der auch in diesem Blatt schon gelobt worden ist für seine fesselnden, auf ausgedehnten Archivrecherchen sowie vielen Interviews basierenden Bücher über den Zweiten Weltkrieg und dessen Kulminationspunkte («Stalingrad», «Berlin 1945»).
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Tage und Wochen der Entscheidung (Magazin, NZZ Online).
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Eine ungeschminkte Momentaufnahme aus dem Innern des Krieges, die unter die Haut geht
D-Day, das war die größte militärische Operation aller Zeiten: die Invasion der Alliierten am 6. Juni 1944 in der Normandie. Beevor zeichnet diesen Tag minutiös nach. Hautnah erlebt der Leser im Hauptquartier die Nervosität der Befehlshaber, begreift die komplexe Strategie einschließlich des kühnen Täuschungsmanövers, spürt die moralische Bürde, die Männer wie General Eisenhower empfanden. Mit wachsender Spannung blättert Beevor immer neue Seiten auf: Soldaten, die von Angst geplagt, gleichwohl stolz sind, ein Kompaniechef, der seinen Leuten im Landungsboot Shakespeares »Heinrich V.« vorliest.
Beevor versteht es wie kein Zweiter, Geschichte klug und verständlich zu erzählen.