In einem “mitunter sogar ganz neuen Licht” soll Bismarcks Handeln in den 488 Dokumenten erscheinen, die Ulrich Lappenküper für die Jahre 1882/83 ausgewählt, kommentiert sowie durch Kopfkurzregesten und Personenregister zum Teil erschlossen hat; fast sechzig Prozent der Quellen werden erstmals publiziert.
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Der hier vorgelegte Band Schriften 1871-1873 ist der erste Band der Neuen Friedrichsruher Ausgabe . Diese Edition der Schriften, Reden und Gespräche Otto von Bismarcks löst die zwischen 1924 und 1935 veröffentlichten Gesammelten Werke bald Friedrichsruher Ausgabe genannt – ab. Die Neue Friedrichsruher Ausgabe enthält eine Fülle neuer Dokumente aus der Zeit vor und nach 1871. Zugleich berücksichtigt die Auswahl der Dokumente Themenfelder und Fragestellungen, die vor Jahrzehnten noch gar nicht ins Blickfeld des historischen Interesses getreten waren.
In der Neuen Friedrichsruher Ausgabe wird nicht mehr zwischen Politischen Schriften und Briefen unterschieden. Da diese Trennung im Hinblick auf viele Zeugnisse ohnehin als problematisch gelten kann, kommen in der Abteilung Schriften auch Briefe zum Abdruck, ferner die maßgeblichen Dokumente aus Otto von Bismarcks Feder zur Außenpolitik in den Jahren zwischen 1871 und 1890, sowohl bisher ungedruckte als auch gedruckte. Die gedruckten Dokumente liegen vor allem in der großen Aktenedition Die Große Politik der Europäischen Kabinette 1871 1914 vor, die in den Jahren 1922 1927 erschienen ist. Vorgesehen ist, die Schriften aus den Jahren der Reichskanzlerschaft in acht Bänden vorzulegen. Im Anschluss daran soll die Neubearbeitung der Schriften aus dem Zeitraum bis 1871 sowie der Abteilung Gespräche und Reden in Angriff genommen werden. Über die Einrichtung der Edition und die spezifischen Auswahlprobleme unterrichtet ein Vorwort, das jedem Band der Reihe vorangestellt wird.
Landschaften der Frührenaissance: Auf Ausflug mit Pius II
Die Reisen, Ausflüge und Fernblicke des Humanistenpapstes Pius II. (1458-1464), in seinen autobiographischen “Commentarii” häufig von ihm selbst beschrieben, sind ein charakteristischer Zug dieses originellen Mannes, auch wenn bisweilen unterstellt worden ist, daß seine Naturschilderungen nicht selbst empfunden, sondern stellenweise aus antiken Schriftstellern abgeschrieben seien. Doch bestätigen die zahlreichen in diesem Band ausführlich verwerteten Briefe seines Gefolges, wie sehr es den Papst in die Landschaft zog: heitere Picnics im Grünen, Mittagsschlaf an schattiger Quelle, Aktenstudium in den Bergwäldern des Monte Amiata, Aufsuchen antiker Ruinen unter dichter Vegetation, bescheidene Unterkunft – ein unmittelbares Zeugnis für das Lebensgefühl der italienischen Frührenaissance, die auch in ihrer Landschaftsmalerei die Natur neu wahrnahm. Die griechische Inselwelt, heute ein vielbesuchtes Reiseziel, fand in Reiseberichten lange Zeit wenig Beachtung, zumal die Route der Jerusalempilger an der Ägäis vorbeiführte. Erst im 15. Jahrhundert betreten italienische Reisende auch ohne politische oder kommerzielle Absichten diesen Raum, und berichten darüber: stehen auf einsamer Insel staunend vor griechischen Statuen, verfolgen antike Stadtmauern durch unwegsames Gelände, entziffern erstmals griechische Inschriften, suchen nach Troja und Homers Grab. Sie sprechen vom Rauschen des Windes in den Büschen auf weiten Ruinenfeldern, schildern Begegnungen mit Bauern und Kaufleuten und die Gefahren der Seefahrt zwischen Klippen und Korsaren. Schafe lagern im Schatten verfallener Tempel, verwilderte Haustiere auf aufgegebenen Inseln, versandete antike Häfen, ländliche Volksfeste, Thymian und Honig auf Kreta. Eine kurze, intensive Begegnung, bis die türkische Eroberung die Inselwelt weitgehend verschloß. Arnold Esch schildert in seinen beiden Essays Lebensgefühl und Naturwahrnehmung der Frührenaissance mit großer Empathie. Sein wunderbar einfühlsamer Blick auf die Quellen läßt vor unserem geistigen Auge eine Welt lebendig werden, die an der Schwelle eines neuen Zeitalters steht.
Rezension H-Soz-u-Kult: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2009-4-194
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